Es ist schon auffällig: Während im Dezember in deutschen Küchen Hochbetrieb herrscht, bleiben Backöfen im Sommer oft erstaunlich still zumindest, wenn es um Kekse geht. Dabei werden sie natürlich das ganze Jahr über gegessen. Nur selbst gebacken? Eher selten. Woran liegt das?

Ein ganz naheliegender Grund ist das Klima. Backen bedeutet Hitze und die kann im Sommer schnell zur Belastung werden. Ein Ofen, der auf 180 Grad läuft, macht die Küche zur Sauna. Im Winter hingegen ist genau das willkommen. Die Wärme wird Teil der Gemütlichkeit, die man sich in der kalten Jahreszeit ohnehin wünscht. Plätzchenbacken passt also schlicht besser zur Jahresstimmung.

Aber es geht um mehr als Temperatur. In Deutschland und generell in Mitteleuropa sind viele Essgewohnheiten stark saisonal geprägt. Der Sommer steht für Leichtigkeit: frisches Obst, kalte Speisen, Grillen im Freien. Kekse wirken dagegen eher „schwer“, eher winterlich. Sie gehören emotional in die Zeit von Kerzenlicht und warmen Getränken, nicht unbedingt zu 30 Grad und Sonne.

Dann ist da noch der kulturelle Faktor. Plätzchenbacken ist hierzulande eng mit Weihnachten verknüpft. Es ist ein Ritual, kein Alltagsakt. Gerade weil man es nicht ständig macht, bleibt es etwas Besonderes. Würde man im Juli genauso backen wie im Dezember, ginge vielleicht ein Teil dieser Magie verloren.

Interessant ist, dass das nicht überall so ist. In vielen Ländern werden Kekse ganz selbstverständlich das ganze Jahr über gebacken auch zu Hause. In den USA zum Beispiel gehört „baking cookies“ viel stärker zum Alltag. Ob Chocolate Chip Cookies oder einfache Butterkekse: Sie sind kein saisonales Ereignis, sondern eher ein spontanes Projekt für zwischendurch.

Auch in mediterranen Regionen oder im Nahen Osten gibt es eine kontinuierliche Backtradition. Dort werden oft kleinere, haltbare Gebäcke hergestellt, die gut zu Kaffee oder Tee passen unabhängig von der Jahreszeit. Der Unterschied liegt weniger im „Ob“ als im „Warum“: Während Kekse in Deutschland stark emotional und festlich aufgeladen sind, sind sie anderswo eher Teil der täglichen Esskultur.

Und doch verändert sich auch hier etwas. Offene Küchen, neue Food-Trends und soziale Medien sorgen dafür, dass immer mehr Menschen das Backen neu entdecken, auch im Sommer. Vielleicht nicht unbedingt klassische Weihnachtsplätzchen, aber leichtere Varianten, neue Rezepte, kreative Experimente.

Am Ende ist es also eine Mischung aus Klima, Kultur und Gewohnheit. Wir könnten auch im Sommer Kekse backen wir tun es nur seltener, weil es sich für uns „nicht richtig anfühlt“. Und genau das zeigt, wie stark Essen von Emotionen geprägt ist.

Oder anders gesagt: Der Ofen ist im Sommer nicht aus, er hat nur ein bisschen Pause.

„Zum Glück bleibt der Ofen bei mir auch im Sommer nicht ganz untätig; schließlich lässt sich die Idee von Keksen auch ganz anders weiterdenken: z.B. als süssen Pizzakuchen.“

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